Studenten willkommen - Jenaer Umland reagiert auf Wohnungsnot der Stadt
Porträt
Wohnungsnot in Jena - Studenten wollen sich damit nicht abfinden und demonstrieren dafür auch schon mal auf der Straße. Jetzt reagieren benachbarte Gemeinden und Städte.
Wohnraum in Jena ist knapp. Vor allem für Studienanfänger ist die Suche nach einer Bleibe schwierig. Vor einer Woche rief das Studentenwerk sogar die Jenaer Bürger dazu auf, privaten Wohnraum zu vermieten.
Jena. Doch was ist mit den benachbarten Städten und Gemeinden? Studenten haben mit ihrem Semesterticket schließlich freie Fahrt in ganz Thüringen. In vielen kleineren Gemeinden wie Großschwabhausen sind die Kapazitäten von kommunaler Seite hierfür nicht ausreichend. Ähnliches gilt für die nahegelegene Stadt Bürgel. Auch die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Südliches Saaletal kann wenig Hoffnung machen. "Von Rothenstein bis Orlamünde ist alles voll", vermeldet Margret Schmidt. Nördlich von Jena, in der Stadt Dornburg-Camburg, bemüht man sich, dem Studentenwerk zu helfen. Interessierte Studenten können sich unter der Geraer Telefonnummer 0365/839720 bei der zuständigen Mübe Domizil GmbH melden. Sie bietet auch Wohnungen in Gera an. Je nach Einrichtung der Wohnungen variiert der Preis: für Dornburg-Camburg zwischen drei Euro und fünf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Ab 1. August wird zum Beispiel eine Ein-Raum-Wohnung für 185 Euro Warmmiete in Camburg frei. In Kahla ist die Verwaltung ebenso auf Anfragen vorbereitet. Die Wohnbaugesellschaft stellt 15 Zimmer für Studenten bereit. "Die Anfrage nach studentischem Wohnraum ist hoch, doch der Wohnungsleerstand liegt bei gerade einmal zwei Prozent", sagt Georg Pfeiffer von der Kahlaer Wohnbaugesellschaft. Und schließlich gebe es auch genügend Bürger, die kleine Wohnungen suchen.
Die Saalestadt selbst bietet sich durch ihre günstige Zuganbindung von hier sind es nur 13 Minuten bis zur Station Jena-Paradies für Studenten geradezu an. Neben der Verkehrsanbindung gibt es gute Einkaufsmöglichkeiten, ein Freibad und die Leuchtenburg als Ausflugsziel. In Apolda arbeitet man bereits gemeinsam mit dem Studentenwerk an Lösungen. Aktuell sind, ähnlich wie in Kahla, etwa 15 Drei-Raum-Wohnungen für Studenten reserviert. "Diese können zu wesentlich günstigeren Preisen bezogen werden als vergleichbare Quartiere in Jena", sagt Sören Rost, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Apolda. Das Handicap des Nahverkehrs will man über ein vergünstigtes Busticket abmildern. Demnächst sind auch auf der Internetseite des Studentenwerks Jena Wohnungsangebote aus Apolda vermittelbar. Die 38 Kilometer entfernte Stadt Pößneck im Saale-Orla-Kreis hat ebenfalls die Studenten für sich entdeckt und extra eine Marketingkampagne gestartet. Der Student wird in einem Faltblatt, das in Kürze erscheint, über die Verkehrsanbindung, das Kulturangebot, die Wohnungspreise und die Kontaktmöglichkeiten informiert. "Unser Angebot ist vorrangig auf Wohngemeinschaften ausgerichtet", sagt Bürgermeister Michael Modde (Freie Wähler/FDP). So bietet die Stadt etwa WGs in Vier-Raum-Wohnungen für 130 Euro Warmmiete pro Person an. "Wir würden uns über jeden Studenten freuen", so Modde. Das benachbarte Stadtroda hat dagegen solche speziellen Angebote nicht. Esther Hillenbrandt von den Stadtwerken Stadtroda teilte auf Anfrage mit, dass man sich jederzeit melden könne. Ob dann aber auch Wohnungen frei sind, sei eine andere Frage, sagt sie. "Das Problem ist nicht, dass es nicht genug Wohnraum gibt, sondern, dass viele Studenten nicht so weit fahren möchten", weiß Dr. Elke Voß vom Studentenwerk. "Wir arbeiten seit Jahren mit den Nachbargemeinden zusammen und sind sehr zufrieden." Auch dadurch gäbe es nominell eigentlich genug Wohnraum für Jenaer Studenten. "Es sollte kein Problem sein, mal ein Semester lang das Pendeln in Kauf zu nehmen, um dann später, wenn etwas in Jena frei wird, umzuziehen", meint Elke Voß.